Marken und History Branding sind ein Pfund!
Jede Marke hat ihre eigene Geschichte, durch die sie sich nachweislich von ihren Mitbewerbern unterscheidet, weil die eigene Geschichte authentisch und von Wettbewerbern nicht kopierbar ist. Die eigene Historie ist somit das einzig „echte“ und stetig ausbaufähige Alleinstellungsmerkmal und bietet somit unschätzbare Differenzierungsvorteile im globalen Markenwettbewerb. Aufgrund eines zunehmenden (Preis-)Drucks von Handelsmarken und „No Names“ steigt die Bedeutung der Markenhistorie ebenfalls stark an. Zukunft braucht eben Herkunft und nur wer weiß, woher er kommt, kann darauf aufbauend ein starkes eigenes Profil entwickeln.
Wer seine Markengeschichte „erzählt“, signalisiert Offenheit, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und Kompetenz. Er öffnet seine (Marken-) Schatztruhe und macht sie zugänglich für andere, vor allem für die eigenen Kunden und die Verbraucher. Und ganz nebenbei: das Auseinandersetzen mit historischen Markenartikeln und Werbematerialien macht nicht nur enorm viel Spaß, sondern ist auch ein toller Ideen-, Wissens- und Kreativpool für Mitarbeiter, Agenturen und Journalisten.
Nachfolgend einige aktuelle Beispiele für den Einsatz von History Branding:
1. Markenjubiläen
Einige Markenartikelunternehmen haben in diesem Jahr sehr medienwirksam ihre Jubiläen gefeiert wie zum Beispiel „300 Jahre Manufaktur Meissen“, „175 Jahre Bertelsmann“, „165 Jahre Fissler“, „100 Jahre Alfa Romeo“, „75 Jahre Monopoly“ oder „30 Jahre Zauberwürfel“ und mit Stolz und großem Erfolg auf ihre Geschichte aufmerksam gemacht.
2. Markenmuseen
Unternehmen aller Branchen investieren mittlerweile hohe Millionenbeträge in den Aufbau eigener (Marken-)Museen, die immer beliebter werden: „Guiness Storehouse“ in Dublin oder „World of Coca Cola“ in Atlanta, das „Imhoff-Schokoladen-Museum“ in Köln oder das „Porsche Museum“ in Stuttgart, um nur einige zu nennen. Sehr interessant ist auch die „Voestalpine Stahlwelt“ in Österreich, das weltweit erste B-to-B-Markenmuseum mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro.
3. Die Renaissance bereits gelernter Werbefiguren
Werbefiguren sind personifizierte „Marken mit Charakter“. Die entscheidende Bedeutung einer Werbefigur ist, dass sie viel stärker und nachhaltiger in unser Unterbewusstsein dringt als der bloße Markenartikel. „Lurchi“ gibt es seit 1937, die „Mainzelmännchen“ seit 1963 und „Frau Antje aus Holland“ seit 1961. Sie alle sind sehr „alte“ Werbefiguren, die aufgrund ihrer extrem hohen Bekanntheit und den starken Sympathiewertem aus früheren Jahren in den letzten Monaten – teilweise nach jahrelangen Pausen – wieder mit großem Erfolg zum Einsatz kommen.
4. Der Siegeszug deutscher Traditionsmarken
Es ist auffallend, dass mehr als 75 Prozent der Marken, die zu den „most trusted brands“ gehören, hundert Jahre oder sogar älter sind und viele davon (Maggi 1897, Miele 1899, Odol 1893, Persil 1907, Schiesser 1875) völlig zu Recht in den erlesen Kreis der Marken-des-Jahrhunderts aufgenommen wurden.
Diese Marken gelten nicht zuletzt aufgrund ihrer langen Historie und über die Generationen „weitervererbten“ Loyalität als „das Original“ in ihrem jeweiligen Marktsegment. Der Aufbau von Vertrauen benötigt eben Zeit. Es ist ähnlich wie bei Menschen: je älter eine Marke, desto glaubwürdiger ist sie. Vor allem in unruhigen Zeiten haben Menschen Sehnsucht nach Marken, die echte und ehrliche konservative Werte verkörpern, die Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit und Orientierung bieten. Anders als bei Produkten gibt es für Marken keinen typischen Lebenszyklus. Traditionsmarken beweisen täglich, dass man eine Marke – wenn man sie permanent weiterentwickelt und an veränderte Marktbedingungen anpasst – ohne Altersbegrenzung immer weiterführen kann.
Zusammenfassend kann man empfehlen: außer in aktuelle Produkte und deren Bewerbung auch in die eigene Geschichte investieren! Und dabei History Branding in die konkrete Marketingplanung einbeziehen und als dauerhaften Prozess begreifen und nicht nur als Einmalaktion beispielsweise zu einem 100-jährigen Markenjubiläum.
Michael Paul ist Inhaber des Beratungsunternehmens Marketing Pilots und Gründer und Betreiber des Internetportals Markenmuseum.
Kommentar abgeben
Weitere Kolumnen 2013
-
Malte W. WilkesMit Streik Kunden gewinnen
-
Vince EbertÄngste essen Hirn auf
-
Peter MaeschigMarkenerosion im Staate Deutschland
-
Godo RöbenOhne Markenvertrauen kein Verdienen
-
Michael BrandtnerWarum Positionierung nicht Differenzierung bedeutet
-
David AakerMarken brauchen Energie
-
Vince EbertWas die Physik seit 100 Jahren weiß: Erfolg ist nicht berechenbar
-
David AakerWarum Unternehmen für "große" Innovationen ihre Budgets zentralisieren sollten
-
Malte W. WilkesWenn der Kunde um Gnade bettelt
-
Michael BrandtnerDie grenzenlosen Möglichkeiten des Onlinehandels oder warum Multi-Channel nicht funktioniert
-
David AakerWie der Fluch des Erfolges Innovationen verhindert
-
Tobias MannDer tägliche Informations-Overkill oder warum wir völlig durch den Wind sind
-
Christoph Berdiagentur-Images – Wenn Werber in den Spiegel schauen
-
Cella IrvineBlick aus New York - Welche Trends digitales Marketing 2013 bestimmen werden
-
Malte W. WilkesBewerben ist wie Werben - Wie Customer Centricity im Personalmarkt funktioniert
-
Michael BrandtnerDas neue Nivea-Verpackungsdesign – Benchmark oder Katastrophe?
-
Vince EbertDie Sache mit der Kundenzufriedenheit - Es könnte oft so einfach sein
-
David AakerInnovationen – wettbewerbsverändernd oder doch nur schrittweise?
-
Gunnar SohnKonjunkturprognose für 2013: Optimismus der Bevölkerung bleibt ein Wachstumsmotor
-
Malte W. WilkesVeranstaltungen zum Change-Management enden oft in Outdoor-„Sackhüpfen“





Kommentare (1)
AdVision digital in Hamburg verfügt mit der GWA-AdZyklopädie über das größte historische Print Archiv zurück bis 1947 (AdHistory).
Das TV-Archiv geht zurück bis 1965.
Weitere Infos unter:
http://www.advision-digital.de/de/advision_service/advision_service_Agenturen/advision_service_agenturen_adhistory.aspx
oder https://v2.adzyklopädie.com