05.03.2009

Interview mit Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer

"Es ist ratsam, klein zu beginnen und zunächst einen Blog aufzusetzen"

"Unternehmen sollten sich systematisch überlegen, in welchen Stufen sie digital kommunizieren" rät Professor Thomas Schildhauer Firmen, die sich den neuen Medien erst jetzt zuwenden. In einem Gespräch mit absatzwirtschaft online spricht der wissenschaftliche Direktor des Institute of Electronic Business über die "Dos and Don´ts" bei dem Versuch, online mit dem Kunden in Dialog zu treten.
Prof. Thomas Schildhauer
Prof. Thomas Schildhauer

Prof. Schildhauer ist Gründer und wissenschaftlicher Direktor des Institute of Electronic Business. Im Oktober 2000 begann das Institut mit dem ersten universitären, europäischen Hauptstudiengang Electronic Business.

Herr Prof. Schildhauer, einer Studie der University of Massachusetts Dartmouth zufolge passen sich junge und aufstrebende Unternehmen weitaus schneller an den Einsatz von Blogs, Sozialen Netzwerken und Wikis an, als traditionelle große Unternehmen dies tun. Wird der Einsatz Sozialer Medien bald „kriegsentscheidend“?

SCHILDHAUER: Wer keine sozialen Medien nutzt, reagiert nicht auf diese neuen Kommunikationsformen und verspielt die Chancen und Möglichkeiten, die diese Medien bieten. Auch sogenannte traditionelle Unternehmen setzen mehr und mehr die neuen Instrumente der digitalen Kommunikation ein. Aktuelle Beispiele zeigen, dass diese Unternehmen Dienste wie Twitter, Crowdsourcing-Plattformen wie zum Beispiel jovoto.com und Blogmonitoring intensiv einsetzen.

Mit Sozialen Medien lässt sich Kommunikation unternehmensintern wie -extern neu gestalten. Wo sehen Sie die Potentiale?

SCHILDHAUER: Im Internet existieren Modelle, bei denen die Internetuser den Preis selbst festlegen. Es ergeben sich Veränderungen in der Kundenansprache, der Kundeninformation, bei den Kundenabschlüssen, aber auch im Rahmen von Kundenservices. Das Web-Monitoring ermöglicht, Informationen über Einstellungen und Bedürfnisse, Wünsche oder Kaufhintergründe von Kunden zu erhalten – live und direkt aus dem Internet. Auch haben die Unternehmen auf diese Art und Weise heute viel mehr die Gelegenheit, zeitnah und kontinuierlich Kundenmeinungen abzufragen, indem sie dem stattfindenden Dialog zuhören und Hinweise systematisch auswerten.

Auch die interne Unternehmenskommunikation scheint sich zu verändern.

SCHILDHAUER: Auf jeden Fall, im Bereich der internen Kommunikation können Unternehmen soziale Medien im Zuge des Employer Brandings zu Informationsgewinnung und -austausch unter Mitarbeitern nutzen. Mitarbeiterblogs und Unternehmensnetzwerke können die Mitarbeiterkultur befruchten. Sie können auch den fachlichen Austausch zwischen Zulieferern stärken und durch Soziale Medien stützen.

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