23.01.2007

Konvergenz

TV-Kabelnetz in Deutschland – quod vadis?

Die Zukunft des TV-Kabelnetzwerkes in Deutschland scheint offener denn je. Aggressive Wettbewerber und substitutive Technologien setzen den Anbietern erheblich zu. Wo liegen die strategischen Optionen?

Von Dr. A. Hecker und Dr. L. Röhrs

Ob der Start des Handy-Fernsehens pünktlich zur Fußball-WM, die Kooperation von T-Online und Premiere zur Etablierung von IPTV, die Ausweitung günstiger Satellitenangebote oder die von der Bundesregierung geförderte D-VBT Technologie – der Kabelbranche bläst der Wind ins Gesicht. Um mit gleichwertigen oder gar überlegenen Nutzungsangeboten gegenhalten zu können, müsste sie das Netz häufig weitreichend technisch verändern (Ausbau der Bidirektionalität). Die damit verbundenen immensen Investitionen stehen im Widerspruch zu der äußerst restringierten finanziellen Lage, in der sich die meisten Spieler der Branche befinden.

Um so dringlicher stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage nach den strategischen Optionen der Kabelnetzanbieter, dieser Zwickmühle zu entkommen und das Spiel zu ihren Gunsten zu wenden. Der vorliegende Beitrag möchte entsprechende Antworten liefern: Dazu soll zunächst ausgehend von der staatlich angeordneten Innovation der 70er Jahre, über die Wirren der Privatisierung im Telekommunikationssektor bis hin zu aktuellen Geschäftsmodellen der Weg des deutschen Fernsehkabelnetzwerks nachgezeichnet werden, um vor dem Hintergrund dieser Kulisse aktuellen Herausforderungen herauszuarbeiten. Abschließend werden verschiedene Ansätze und Optionen für Kabenetzanbieter diskutiert, diese Herausforderungen zu meistern und damit mögliche Entwicklungslinien der Branche ein Stück weit vorgezeichnet.

Geschichte und Herkunft
Die Idee zum Anschluß von privaten Haushalten an ein Breitbandkabelnetz wird in Deutschland seit dem Jahr 1974 in der Öffentlichkeit diskutiert. Schon früh schließt sich die Bundesregierung den US-amerikanischen und japanschen Vordenkern an, welche die künftige Bedeutung der Breitbandkommunikation prognostizieren. Natürlich sehen das mittelständische Handwerk sowie die relevanten Kommunikations-Großkonzerne das sich abzeichnende Geschäft mit der Regierung und unterstützen entsprechend diesen Entscheidungsprozeß. Als Resultat entsteht neben den bereits vorhandenen Telefoninfrastruktur und den Telephonienetzen der Stromversorger sowie der Bahn, ein neues Breitbandnetz. Zunächst in ein paar Versuchsgebieten, dann auf wachsender Fläche, dient das Netz zur unidirektionalen Übertragung von zunächst wenigen Fernsehkanälen, in inhaltlicher Parallelität zur terrestrischen Übertragung.

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