Chinesische Milch-Pantscher werben um Vertrauen
Gezeigt werden auch firmeneigene Lebensmittelkontrolleure, die die Milch in Hightechlabors analysieren. Offiziell drei Babys, andere Quellen sprechen von vier, starben. Tausende mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Bei ihnen hatten sich Nierensteine gebildet, Folge des Verzehrs von mit Melamin gestrecktem Milchpulver. Der Skandal war monatelang vertuscht worden, nun ist das Vertrauen der chinesischen Verbraucher dahin. Wer es sich leisten kann, wechselt zu importierten und deshalb deutlich teueren Produkten.
In Internetblogs kritisieren aufgebrachte Chinesen aber nicht nur die Milchpanscher, sondern auch die Stars, die für die nun in Veruf geratenen Produkte geworben hatten. Mengniu warb mit dem chinesischen Weltraumprogramm, mit dessen Hilfe erst vor wenigen Wochen der erste Spaziergang im All gelang. Die Milch des Konzerns aus der Inneren Mongolei sei das Getränk der in China als Helden verehrten Taikonauten, rühmte sich Mengniu, einer der größten Lebensmittelproduzenten Asiens.
Yili, einer der offiziellen Olympiasponsoren, hatte dagegen im Umfeld der Spiele von Peking auf die Popularität der bekanntesten chinesischen Athleten gesetzt. NBA-Basketballer Yao Ming oder die vierfache Olympiasiegerin im Wasserspringen Guo Jingjing warben für Milch aus heimischer Produktion. Auch sie seien nun Verlierer des Milchskandals, schrieb ein Journalist der China Daily.
Im Internet ziehen Blogautoren bitterböse Schlußfolgerungen. Die chinesischen Sportfans hatten mit Entsetzen am Fernseher miterlebt, wie sich das größte Idol des Landes, Hürdensprinter Liu Xiang, schmerzverzerrt auf der Tartanbahn in Peking krümmte. Nun sei alles klar, heißt es auf www.chillycraps.com: Liu Xiang warb für Yili, Liu Xiang musste aufgeben, folglich enthält Yili-Milch toxisches Melamin.
Der Slogan übrigens, der auf den Yili-Werbeplakaten mit Liu Xiang zu lesen war, lautete: Yili-Qualität – olympischer Standard.
Frank Hollmann ist Korrespondent der absatzwirtschaft in Peking
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