05.12.2007

Leben auf Pump?

Dass sich unsere schöne neue Welt der Kommunikation in zwei starke Bereiche aufteilt, nämlich offline und online, ist inzwischen eine Binse. Ebenso die Tatsache, dass sich der Bereich online deutlich dynamischer entwickelt. Nicht nur, indem sich Budgets aus dem offline in den Online-Bereich verschieben, sondern auch, was die Entwicklung der Online-Budgets aus sich selbst heraus angeht.

Auch die Kreativen haben den Online-Bereich endgültig für sich entdeckt und schöpfen aus dem Vollen. Der Film als die Königsdisziplin ist dem Ghetto TV entkommen und kann sich, zeitlich und räumlich endlich frei von Zwängen, frisch und ungeniert weltweit verbreiten. Die neuen interaktiven Dialog Möglichkeiten befreien das Direkt Marketing von seinem etwas muffigen Beigeschmack, selbst die Verkaufsförderung, sprich die Impulswerbung, kann hier und heute besser aufspielen. Und endlich kann man Zielgruppen, spezielle Zielgruppen-Segmente und sogar einzelne Zielpersonen, so perfekt anpeilen wie noch nie. Selbst verkaufen kann man besser, denn dem erzielten Interesse kann man direkt und ohne Umschweife konkrete Angebote folgen lassen.

Also ist endlich mal heute alles besser als früher!

Oder wo ist der Haken?

Beim Geld, da ist der Haken.

In Bereich Online-Werbung wird nicht genügend Geld verdient. Wahrscheinlich im Durchschnitt nur ein Drittel dessen, was in der klassischen Werbung heute noch so üblich ist. Und das ist alarmierend, denn keine Agentur kann vom Umsatz leben.

Warum sind die Konditionen – und damit die Renditen – so schlecht?

Zum einen, weil die Hungerjahre nach dem Platzen der New Economy-Blase in und nach 2001 die Konditionen völlig verdorben haben, schließlich ging es um das nackte Überleben. Zum anderen, weil es sich im Netz noch nicht so richtig durchgesetzt hat, das kommunikative Dienstleistungen und Service Geld kosten. Darunter leiden auch die Medien, insbesondere die Verlage. Auch deren Online-Aktivitäten kosten nicht nur Aufwand und Mühe, sondern auch Ertrag.

Und darin könnte eine Chance liegen: Warum tun sich Medien und Agenturen nicht zusammen, um gemeinsam die Konditionen im Online-Bereich zu verbessern? Schließlich hat dieser Schulterschluss schon einmal gut geklappt und 100 Jahre lang eine vernünftige Benchmark etabliert: die Agenturprovision, kurz AE.

Aber so oder so, das Problem muss gelöst werden, denn eins kann nicht sein, dass der florierende Bereich online vom klassischen Bereich offline mittel- bis langfristig subventioniert wird. Das wäre ein Leben auf Pump!

Holger Jung ist GWA-Präsident und Gründer der Jung von Matt-Gruppe. Das Werbeagenturnetzwerk arbeitet mit insgesamt 12 Agentursitzen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Schweden.

5. Dezember 2007

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