Schaut dem Volk aufs Maul
No, Sir, er ist „des Hundes“. Bringe ihn in den Dativ und was ist er? Warum ist er “dem Hunde“? Und wie ergeht es ihm im Akkusativ? Warum ist er nun „den Hund“? Stellen Sie sich vor, der Hund wäre ein Zwilling und Sie müssten ihn in die Mehrzahl bringen – was dann? Ich mag Hunde nicht besonders, resümiert Twain, aber ich würde einen Hund niemals so behandeln. Ein englischsprachiger Leser wird wahrscheinlich froh sein eine einfachere Sprache zu sprechen, und ein deutschsprachiger Leser weiß vermutlich nicht so recht was er darauf sagen soll.
Jeder Sprache liegen eine Reihe von Annahmen und Mutmaßungen zu Grunde, die, tief eingebettet in der Grammatik, unsere Wahrnehmungen, unsere Standpunkte und unsere Überzeugungen unbewusst beeinflussen.
Was sind die Grundannahmen der deutschen Sprache?
Auf der Suche nach den Grundannahmen der deutschen Sprache – einschließlich aller indogermanischen Sprachen wie Latein, Französisch, Spanisch oder Englisch - trifft man unweigerlich auf keinen geringeren als Aristoteles selbst, den Vater der Logik.
Aristoteles Problem vor gut 2.300 Jahren war, dass die logische Verknüpfung von „Alle Einhörner sind Pferde“ und „Alle Einhörner haben Hörner“ unweigerlich zu der falschen Schlussfolgerung „Einige Pferde haben Hörner“ führte. Aus diesem misslichen Dilemma rettete sich Aristoteles mit der Einführung von Kategorien und fortan waren Biologie und Poesie miteinander unvereinbar und das Problem gelöst.
Aristoteles Philosophie und Kategorisierung fordert, dass Erfahrungen in Dinge, Handlungen, Eigenschaften der Dinge und die Umstände der Handlungen zerlegt werden müssen, also in Hauptwörter, Tunwörter, Eigenschaftswörter und Umstandswörter. Hinter dieser Denkart steht die Annahme, dass das Wesen einer Sache – ihre Essenz – als Summe aller ihrer Eigenschaften begriffen werden kann und dass daraus neue Erkenntnisse, Ideen und schließlich Fortschritt folgt. Essentialismus ist daher, ob wir wollen oder nicht, untrennbar in die deutsche Sprache eingebaut.
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