25.10.2006

Der überforderte Konsument

<i>Christoph Berdi</i>
Christoph Berdi
Passiv, überfordert und allein – sieht so der Konsument der Zukunft aus? Die Gefahr besteht, meinen zwölf ausgewiesene Marketing-Experten, die sich zu einem Innovationsworkshop zur „Zukunft des Marketing“ in Düsseldorf trafen. Zu diesem „Marketing-Lab“ eingeladen hatten die absatzwirtschaft und die Agentur Grey. Das Ergebnis der Beobachtung: Der Typ „Klinsi“, unbefangen, frei und nach eigener Fasson glücklich, scheint Seltenheitswert zu gewinnen.

Die Menschen scheinen „zunehmend Stress, aber seltener Glücksgefühle“ zu empfinden. Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum sich das Marketing über die Konsumenten der Zukunft den Kopf zerbrechen sollte. Diskussionsstoff bietet auch die „Passivität“ breiter Bevölkerungskreise und die Überforderung vieler, hervorgerufen durch die „zunehmende Beschleunigung“ des Lebens und einer Technik, deren Innovationstempo die Menschen kaum folgen können.

Dies geschieht gerade in einer Zeit, die vom „Verlust übergreifender Werte“, der „Rationalisierung der Emotion“ und dem Trend zur „Cultural Diversity“ geprägt ist. Letzteres meint das Nebeneinander verschiedener Kulturen in einer Region oder weltweit und bietet letztlich für das Marketing einen Ansatz zur Segmentierung. Die Spannung, unter denen viele Menschen künftig stehen werden, brachte die Experten-Runde auch in Gegensatzpaaren zum Ausdruck: Der zunehmenden „Entmenschlichung“ in der Gesellschaft stehen das Angebot und die Nachfrage nach „Live- Erlebnissen“ gegenüber.

Außerdem droht vielen Menschen trotz „Kommunikationsinflation“ die „Einsamkeit“. Dabei hat das Marketing die Fähigkeit, auch gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben, und verfügt insofern über Ansatzpunkte, die Gesellschaft von morgen mitzugestalten. Als eine Zielvorstellung scheint sogar eine Rückkehr zur „adaptiven“, anpassungsfähigen Gesellschaft möglich oder vielleicht sogar notwendig zu sein. Fazit: Das Marketing-Lab bringt zwar keine Landkarte der Gewissheiten, aber doch einen Radarschirm voller blinkender Punkten, die das Marketing im Auge behalten sollte.

Weitere Zukunftsthemen: Controlling, Globalisierung, Handel und Kommunikation. Besonders für die Marketing-Wissenschaft ergeben sich viele Forschungsfelder, um das Prinzip „try and error“ bei der Eroberung der Zukunft einzudämmen. Wenn es interessiert? Die Ergebnisse und Analysen finden Sie in der aktuellen Sonderausgabe der absatzwirtschaft „Marketing für die Zukunft“. Hier geht´s zur Bestellung.

Christoph Berdi ist Chefredakteur der absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing

25. Oktober 2006

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