24.05.2006

Unternehmensentwicklung

Sieben Innovationsmythen

Was immer Sie zum Thema Innovation hören, nehmen Sie es nicht einfach kritiklos hin, stellen Sie es in Frage oder sogar auf den Kopf. Nicht (nur) der Kreativste, Schnellste und Risikofreudigste ist innovativ.

von Professor Dr. Dirk Ulrich Gilbert und Dr. André Kleinfeld


"Innovation braucht kreative Spezialisten, die mit modernen Technologien neue Produkte entwickeln und sie schnell und risikobereit auf den Markt bringen." Sie sagen, das stimmt? Es lohnt sich näher hinzusehen und bestimmte Aspekte differenziert zu betrachten. Die folgenden "Sieben Innovationsmythen" sollen dazu beitragen, häufig zu hörende Aussagen zum Thema Innovation nicht einfach kritiklos hinzunehmen, sondern sie in Frage oder sogar auf den Kopf zu stellen.

Mythos 1: Innovation beginnt ausschließlich mit Kreativität
Obwohl sich auch in der Managementliteratur mittlerweile die Ansicht verbreitet, dass Innovation und Kreativität nicht unbedingt in einem direkten kausalen Zusammenhang stehen, hören Führungskräfte immer noch gern die Mär von der Kreativität als wahrer Quelle von Innovation. Und das, angesichts der tatsache, dass viele Unternehmen ihre Innovationen auf der Basis systematischer Analysen entwickeln. Gerade Japans Unternehmen zeigen immer wieder, dass sie - stärker als in anderen Nationen - innovative Ideen für Produkte mit solider Marktforschung gewinnen. Wie sagte der US-amerikanische Ingenieur und Erfinder Thomas Alva Edison: "Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration."

Fazit: Unternehmen können Ideen weitgehend systematisch generieren, wenn auch nicht standardisieren. Dies schließt Kreativität nicht aus, zeigt aber, dass es möglich und notwendig ist, Innovationen planmäßig und zielgerichtet herbeizuführen.

Mythos 2: Jedes Unternehmen braucht eine Innovationsabteilung
Ebenso wie eine Universität mit internationalem Anspruch keinen Lehrstuhl für Internationales Management braucht, sondern eine internationale Ausrichtung aller Lehrstühle, so sollten Unternehmen ihr Innovationsmanagement nicht ausschließlich in den Arbeitsbereich einer kleinen Gruppe von ausgewählten Personen geben. Es sollte als wesentlicher Bestandteil der Unternehmensphilosophie letztlich alle Mitarbeiter ansprechen. Dass Unternehmen keine Innovationsabteilung, sondern eine Innovationskultur brauchen, in der alle Mitarbeiter den Innovationsgedanken leben, lebt das amerikanische Technologieunternehmen W. L. Gore vor. W. L. Gore, der Erfinder von Gore-Tex, entschied, eine "Innovationsdemokratie" zu kultivieren: Jeder Mitarbeiter sollte zehn Prozent seiner Zeit damit verbringen, über neue Einsatzgebiete für das einzigartige Material, das das Unternehmen entwickelt, auszudenken. Gore erhielt 2005 die Auszeichnung: bester mittelständischer Arbeitgeber.

Fazit: Innovation ist zu wichtig, um es einer einzelnen Abteilung zu überlassen. Mit der Bildung innovationsfördernder Strukturen und Lernkulturen sollten Unternehmen versuchen, das Innovationspotenzial aller Mitarbeiter auszuschöpfen.

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